Programm
Fr /
Konzert
28.01.2011
saalschutz
(ravepunk, electro/CH)
support: DJ Flumroc & DJ M T Dancefloor - turntableset
saalschutzSaalschutz warten erst gar nicht darauf, bis ihnen ein womöglich ungeliebtes Genre-Etikett auf den Synthesizer geklebt wird, sondern ersinnen lieber gleich selbst eines: Techno-Punk. Ebenfalls im Gespräch und etwas ausgefallener: Diskonik, ein Wortmix aus Disko und Elektronik. An beiden Etiketten ist etwas Wahres dran, denn die Herren hinter den Akas DJ Flumroc und M.T. Dancefloor, die das Saalschutz-Projekt im Jahr 2001 ins Leben riefen, bevorzugen tatsächlich einen ziemlich dreckig-minimalen Elektronik-Sound. Der großen Party steht das nicht im Wege.

Angefangen haben DJ Flumroc und DJ M T Dancefloor mit Electroclash, der sich mit der Zeit zu ravigem Electro-Pop bzw. Punk weiterentwickelt hat. Teilweise dadaistischer Sprechgesang inklusive. Und Schweizer Mundart kommt auch schon mal vor. Live verwenden die beiden keine Laptops, sondern Drum-Machines, analoge Sampler oder Synthies. Der großen Party steht das nicht im Wege. Im Gegenteil. Elektro-Künstler, die ihre Tracks vom iPod abspielen und dann live vorm Computer so tun als würden sie irgendetwas einstellen, sind die Schlager-Playback-Sänger der Jetztzeit und sollten mehr geächtet werden. Am dritten Saalschutz-Album wird derzeit noch gearbeitet (das erste erschien 2006), doch eine Veröffentlichung ist nicht mehr ganz weit hin. Die große Pause zwischen den Alben hat sicher auch damit zu tun, dass die Band so viele Gigs spielt.

Das Zürcher Ravepunk-Duo Saalschutz sorgt seit 2001 für einen Umsturz der Verhältnisse. Im Kopf, im Bauch und in den Beinen. „Was wollen die überhaupt und was machen die denn da?“ fragt man sich. Die Band verweigert die Aussage und schlägt die aufgedrückte Pistole von der Brust. Nicht mit einem Karatemove, sie sind nicht besonders sportlich. Viel besser: mit Texten, die sich selbst immer und immer wieder untergraben und Musik, die die Partycrowd immer und immer wieder Haken schlagen lässt und ihr seltsamste Dance Moves entlockt. „Nie wieder Slogans“ skandiert die Band zusammen mit einer lachenden Menge auf Youtube. Gerade weil Texte heutzutage keine Sau mehr zu interessieren scheinen, werkeln Saalschutz übermässig lange an diesen. Sie sind nicht einfach zu verstehen, sie sind sicher eigensinnig, vielleicht sogar verschroben, sie machen nicht auf Kumpel und sie sind ja auch nicht von hier. Aber wer es versucht, wer eine Lesart gefunden hat, diese immer wieder überdenkt und modifiziert, kann sich zwar nicht sicher sein, aber ist vielleicht glücklich infiziert. Doch halt! Auch das ist noch nicht das Ende des Viervierteltaktes: Komplexität ist nur die halbe Wahrheit. Es geht tatsächlich auch einfach. Auch gefälschte Medaillen haben eine Kehrseite. Und auf der Kehrseite finden sich die Beats und die Melodien, sie stellen den Kontrapunkt. Sie sind für die sprichwörtlichen Millionen. Kein Weg führt an den Hooklines vorbei. Ohrwürmer v.2.011, voll auf Herz und Bauch zielend. Reines, schönes, wahres, gutes und nacktes „1, 2, 3, 4“ als wäre Joey Ramone selig mit am Start. Anders gesagt: So fresh, so tief und so tanzbar hat wohl noch niemand Sperrigkeit mit Eingängigkeit, Nüchternheit mit Druffheit, Distanziertheit mit einer herzlichen Umarmung kombiniert und vielleicht sogar den Kopf mit dem Bauch versöhnt, wo diese sonst doch nur gegeneinander ausgespielt werden. Es wird getanzt, gedacht und geballert. Die Leute feiern mit dem gebrochensten Versprechen seit es Popkultur gibt und freuen sich bis St. Nimmerleinstag auf die Reise ins Pfefferland far away and yet so close im nirgendwo zwischen Schweinepunkrocktal, Tranceheim, Tribal-Breakbeat-City und Electro-Funkenhausen. Saalschutz gaben seit ihrer Gründung mehrere hundert Konzerte in der Schweiz, Deutschland,Österreich, Holland, Tschechien, Serbien sowie in einem staatenlosen Warenlift in der Zürcher Dachkantine. Die Band wurde mehrmals von John Peel in seiner legendären Radioshow auf BBC 1 gespielt. Weiter sind Flumroc und M T Dancefloor als Comicfiguren im Ehapa-Band „Popcomics“ anzutreffen, hatten eine tragende Rolle im Puppentheater der Berliner Riot-Grrrl-Künstlerin Räuberhöhle und arbeiteten als Remixer, Gastmusiker, -Sänger und Produzenten für diverse andere Acts. Das dritte Album Entweder Saalschutz erscheint im Herbst 2010, im Dezember und Januar gibt es eine längere Tour vorwiegend durch Deutschland und die Schweiz. Veröffentlichungen eigener Stücke und Remixe erschienen auf: Alpinechic, Audiolith, Desert Engine, Fear Section, Holzpop, L‘Age D‘Or, Megapeng, Rewika, Sony Music, Tochnit Aleph, Zick Zack, Zyx und anderen. Die meisten Tonträger sind mittlerweile ausverkauft. Parallel zur Band war DJ M T Dancefloor an der Gründung von zwei Partyreihen in Zürich beteiligt. Er spielte seit 2007 ca. 200 DJ Sets in Deutschland und der Schweiz als Support von z. B. The Faint, Beardyman, Ebony Bones, Utah Saints, Débruit Terry Lynn, Bonaparte, Schlachthofbronx etc. und war als Tour-DJ mehrfach mit fast allen Audiolith-Bands unterwegs.

Homepage: www.saalschutz.com
Hörproben:  www.myspace.com/saalschutz


  Vorverkauf: 9 € (zzgl. Gebühren ausser in der Kula-Bar)
Abendkasse: 12 €
Clubkarte: 8,50 €
Einlass: 20:30 Uhr
Ticket bei Reservix kaufen
Beginn: 21:00 Uhr


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