Programm
Fr /
Konzert
26.03.2010
ja, panik
(Indie Pop/At)
support: HANS UNSTERN (experimentel/D)
ja, panikGestatten: Ja, Panik. Eine aus dem österreichischen Burgenland in die Metropole der gehobenen Bürgerlichkeit gezogene, junge, wilde, vertrackte, psychedelisch-lyrische Beat- Band: nach Wien. Von dort aus nun Umzug in die hässlich-schöne Krisenmetropole Berlin. Davor: zwei Alben in Rekordzeit, mit dem Mitteilungsbedürfnis von mindestens hundert Bands gleichzeitig. Und den Dichterqualitäten von Bob Dylan und Falco in einer Person: Andreas Spechtl. Nach dem Kritikererfolg „The Taste and The Money“ (Platz 3 der SPEX-Jahrescharts 2008) kommt nun der Nachfolger in einer dem Geld zugewandten Chronologie mit dem Titel „The Angst And The Money“. Produzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tococtronic) hat mit dieser Produktion den Beweis angetreten, dass es sich bei Ja, Panik tatsächlich um die Band der Stunde handelt. Nun, wäre „The Angst And The Money“ ein Roman, so würde man schon jetzt von der ganz großen neuen Sensation am Literaturhimmel sprechen. Ja, Panik aber ist eine Band, und so bleibt uns immerhin die Gewissheit, das diese Band es sein wird, die jene abgebrannten Fackeln der Hamburger Schule, der Wiener Hochstapelei und der genialen Berliner Dilettanten neu entflammen werden!

Über Popmusik zu schreiben ist mindestens so absurd, wie über Wein zu schreiben. Zwischen unbeschreiblich-langweilig und unerklärlich-wunderbar variiert die eigene Meinung, stets den eigenen Stimmungsschwankungen zum Opfer fallend. So wie es für den immer träger werdenden Körper irgendwann nur noch den Yogaraum, die Joggingrunde, die Schachmeisterschaft oder die Tresenfußballmannschaft gibt, existieren für die Vitalität der eigene Popmeinung eigentlich nur zwei Frischhalteformeln: Die Musik der eigenen Jugend (geht heute bekanntlich bis mindestens 30 Jahre) in regelmäßigen Abständen immer wiederzuhören und die erlebte Zeit einfach als Höhepunkt - nicht nur der eigenen Schöpfungsgeschichte – anzusehen. Oder die Alternative: Neue Musik zu entdecken, die einem das Gefühl gibt, dass sie von der eigenen Geschichte weiß, und diese mit neuem Anstrich der Welt genau deshalb noch einmal mitteilt, eben weil es ja die größte Geschichte aller Zeiten ist! Wenn es um mein Leben geht, ging es mir in den bewegten, sagen wir ruhig Schlüsselmomenten, der erlebten Popkultur eigentlich immer nur darum, die eigene Widerborstigkeit zu schärfen, und eine geeignete Musik für den angewiderten Blick auf die Welt zu finden: Schrammeln, Schreien und Skandalieren – sexy und komatös! So war ich früher nie ein großer Freund von deutschen Bands mit virtuosen Gedanken-Spielchen zwischen Deleuze und Dylan, wie man sie etwa von der Hamburger Schule her kennt. Viel lieber mochte ich den Nölgesang von Mark E. Smith oder die Laute vom Nachbarmetzger beim Messerschärfen im Nachbargarten - von denen ich auch so gut wie kein Wort verstand. Damit will ich nicht sagen, dass ich heute mehr verstehe, ich habe mich wahrscheinlich nur daran gewöhnt, kaum etwas zu verstehen. Man denke nur daran wie schnell man die beruhigende Heroinmusik im Jazz liebgewonnen hat, obwohl man selbst nie heroinabhängig wurde - dafür hatte man mental längst das Erbe der Gartenzwergrepublik Deutschland angetreten.... Aber ein Zigarettchen und eine ordentlich Überdosis Alkohol tun es ja bekanntlich auch, um die eigene Dummheit und Handlungsunfähigkeit, gepaart mit der unendlichen Sehnsucht nach allem, zu bändigen. Doch noch mal zurück zum deutschsprachigen Klugscheißerpop: Irgendwie gewöhnte man sich auch daran. Wenn man schon nicht mehr tanzen und toben geht, muss man ja wenigstens noch über irgendwas reden können auf dem Partybalkon. Über diese Bands kann man wirklich immer reden: Zwischen den Zeilen, den Akkorden, den Trommelschlägen und stumpfen Gitarrenriffs ist immer noch Raum für ein Schwätzchen. Überhaupt hatte ich immer den Eindruck: Das ist Musik für Menschen, die eigentlich gar keine Lust auf Musik haben, sich also auf die Klaviatur der Emotionen eines anderen einzulassen, sondern deren Hauptanliegen es immer zu sein schien, in ihrer Partymuffeligkeit Musik - also Stimmungen - einfach kaputt zureden! An dieser Stelle tritt rettender Weise eine Band auf den Plan, um die es hier eigentlich gehen soll, eine Band die ich am liebsten kaputt reden würde - was mir aber nicht gelingen kann: Ja, Panik. Als ich zum ersten Mal von ihnen hörte, dachte ich nur: Um Gottes Willen! Eine an die Hamburger Schule anschließende Klugscheißer-Band aus Wien, dann auch noch mit englisch-deutschem Sprachgemisch und dann auch noch einem Komma im Namen! Das Vorgängeralbum „The Taste and The Money“ wurde mit der Grundhaltung „Verachtung und Ignoranz“, gepaart mit dem eingangs erwähnten Wissen um die eigene beste Zeit des Lebens, nur angespielt und gleich wieder ausgespült. Dann lange Zeit wieder Ruhe bis.., ja bis mir das Schicksal „The Angst and The Money“ zugespielt hat. Dieses Album besaß die Frechheit, mir tatsächlich eine Lehrstunde in der Angelegenheit „Restauration der Popmusik“ zu erteilen. Da war sie wieder: Die gute alte Geschichte im lang ersehnten neuen Glanz! Das was sich hier zwischen – bitte entschuldigen Sie mein veraltetes Referenzsystem! - Falco (Englisch- Deutsche Schaltertexte und Wiener Schmäh), Bob Dylan (der konsequente Entwurf einer Kunstfigur, in diesem Fall einer Band), Televison und Pavement (traumhafte Gitarren in einer grässlichen Welt), Kurt Weill (das Klavier als Protestmaschine) und David Bowie (den androgynen Chic einer neverending Jugend) ereignet, ist schlicht weg das Bewegendste, was mir in gefühlten fünfzig Jahren deutscher Nachmach-Popkultur so begegnet ist. Natürlich übertreibe ich! Aber die Übertreibungen von Ja, Panik sind so gut, dass ich unbedingt darauf reinfallen muss! Sänger, Gitarist und Textkomponist Andreas Spechtl nimmt hier eine Position ein, die so noch niemand vor ihm einnehmen konnte, eben weil dafür erstmal die vergangen 100 Jahre Pop mit all dem wunderbaren Quatsch von Alice im Wunderland bis Slayer sich ereignen mussten! So lässt „The Angst and the Money“ uns gleichzeitig Achselzucken und Faustballen, Schmusen und Fußballen, man bekommt Lust sich endlos zuzuschütten, um gleichzeitig in die Luft zu springen! Ja, Panik spielen in der Endlosschleife des Pops, dort wo der Popdiskurs vor noch gar nicht allzu langer Zeit begraben worden sein soll. Dort wo Rene Pollesch oder Schorsch Kamerun längst Theaterinszenierungen veranstalten und dort, wo der deutsche Film aus Angst vor leeren Kassen nie wirklich angelangt ist. Dort wo medial nur noch ein leises, technokratisches Twittern eine Lücke des Schweigens schließt. An jenem dunklen Ort, wo einst die Kerze der Romantik brannte bis sie schließlich von den eigenen Panzern überrollt wurde! „The Angst and The Money“ ist hundsgemeiner, gefährlicher Borderlinepop zum Darwinjahr 2009: Für die Welt der Realsatire „Bank & Money“, den leeren Taschen der Taugenichtse in einer Welt, in der virtuelle Geldbewegungen und die Angst vor der kollektiv verdrängten Totalkatastrophe unseren Alltag regieren: Wollen und Nichtkönnen vs. Nichtwollen aber Können! Wir, meine Damen und Herren, können beides: gar nichts. „The Angst And The Money“ erscheint am 25.09.2009 beim Schisserlabel Staatsakt. Ja, Panik ziehen gegenwärtig von Wien nach Berlin, um jetzt dort nach dem rechten zu schauen. -Maurice Summen-

Homepage: www.ja-panik.com
Hörproben: www.myspace.com/japanik


Support: HANS UNSTERN
Das Herz der schweren Worte schlägt tief im Jungel der Klänge. Die Musikinstrumente verwandeln sich in Geräuschtiere. Klangameisen und Schreivögel. Pfeifend, kreischend, kratzend nehmen sie sich den Freiraum des musikalischen Urwalds, ohne Unsterns Worten ins Wort zu fallen. Ästhetik jenseits der Vernunft, oder diese mit einer gesunden Prise Wahnsinn und Projektionen auf eine Leinwand hinter Hans Unstern aus seinem Mund Verse wie: »mein leben hangelt sich an autobahnen entlang / automobile hasse ich mehr als alles / werd mir einen zebrastreifen malen / wie sie ihrem ziel entgegenrasen / wie sich auf der ueberholspur penisse jagen / mein blick verbeugt sich mehr und mehr / aus dem strassengraben befuehle ich die dinge neu / ...«

Homepage: www.hansunstern.net




Vorverkauf: 10 € (zzgl. Gebühren ausser in der Kula-Bar)
Abendkasse: 13 €
Clubkarte: 9,50 €
Einlass: 20:30 Uhr
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Beginn: 21:00 Uhr


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